Hamburg, Dienstag, der 30. März 2010
Der PR-Mann und das Ultimatum der Firma
St. Pauli: Anwohnerinitiative NoBNQ arbeitet weiter an konstruktiver Lösung und bereitet Übernahme des gesamten Areals vor.
Aufgeflogen: “Bürgerinitiative PRO-Bernhard Nocht Quartier” ist eine Gründung des PR-Beraters der Investoren Köhler & von Bargen.
NoBNQ arbeitet an einer Lösung, die alle Häuser des sog. “Bernhard Nocht Quartiers” dem Markt entzieht und auf Dauer niedrige Mieten sichert. Wir sind entschieden, die Häuser, die derzeit den Investoren Köhler & von Bargen gehören, zu übernehmen. Vor einem Kauf müssen wir jedoch anders und sehr viel genauer rechnen, als Investoren es machen, da wir nicht über den Verkauf von Eigentumswohnungen und die daraus resultierenden Millionengewinne querfinanzieren können. Wir brauchen genauere Informationen über den Zustand der Häuser.
Eine erste Begehung kam erst am 25. März zustande. Seitdem wird gerechnet, um die Finanzierung für das sehr große Projekt aufzustellen. Wir verstehen, dass die jetzigen Eigentümer unter Zeitdruck stehen und können an dieser Stelle zusichern, dass wir sehr zeitnah unser Angebot auf Grundlage der von Köhler & von Bargen gelieferten Zahlen konkretisieren werden. Wenn Köhler & von Bargen ernsthaft an einer “Befriedung der zeitweise sehr angespannten Situation in dem betroffenen Areal” interessiert sind, wie es in der Pressemitteilung der Unternehmensgruppe vom 15. März heißt, sollten sie auch der Initiative einen realistischen Zeitraum einräumen, um Plan und Finanzierung für die Sanierung aufzustellen.
Wenig hilfreich ist in dem Zusammenhang das massive Störfeuer, das Köhler & von Bargen über ihren PR-Mann Peter Krause auf die Initiative NoBNQ und einzelne Mitglieder richten.
Denn es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass die merkwürdige “Pro-Investoren-Ini”, die seit November 2009 in anonymen Flugblättern Stimmung gegen die MieterInnenproteste macht, tatsächlich eine Gründung des Köhler & von Bargen-Pressesprechers Peter Krause und seiner “Lebenspartnerin” Karin Lang ist. Auf der facebook Seite der Gegeninitiative firmiert Krause als “Gründer” und Administrator. Kann es sein, dass Unternehmer selbst eine Gegeninitiative gründen – und mit dieser Fälschung gegenüber Medien und Politik argumentieren?
Im November 2009 schreibt “PRO” von “brennenden Autos”, von “Rauchschwaden”, von “MEK” und “Kleinstadtpunks die auf Randale aus sind”. Das Ziel: den wachsenden MieterInnenprotest zu denunzieren, als “drohende Krawallmacherei” der man “Einhalt gebieten” werde. Doch offenbar verfängt der rechtpopulistische Ton im Viertel nicht. Zu einem im Sailors Inn anberaumten Treffen erscheinen neben den GründerInnen Peter Krause und Karin Lang nur 2 Bild-Reporter.
Im Monatsrythmus verbreitet man nun anonyme Schreiben, die sich lesen als lebten die Autoren noch im kalten Krieg. Dezember 2009: “Kommunisten arbeiten mit Sanierungsgegnern jetzt offen zusammen”. Im Februar 2010 heißt es, “…dass es bei dem Kern der Proteste nicht um berechtigte Sorgen der Bürger um ihre Mietpreise ging, sondern darum linke politische Interessen durchzusetzen”. Im März 2010 erfindet man einen “…Kinderausflug der Gruppe “Rote Wanze”…”, von “Nötigung” ist die Rede.
Anonym verbreitet “PRO” im Februar 2010 persönliche Daten einer BNQ-kritischen Nachbarin. “Der eine oder die andere haben nämlich gut laufende Unternehmen”, heisst es. Die schriftliche Bitte der Nachbarin, Krauses Treiben Einhalt zu gebieten, beantworten die Investoren nicht. Stattdessen reichen Köhler & von Bargen das persönlich addressierte Schreiben an PRO-Frontfrau Karin Lang weiter…
Vergangene Woche versuchte Peter Krause, die von niemandem bestrittene Geschichte, dass ein Mitglied der NoBNQ Gruppe vor über 40 Jahren an einem Bankraub mit politischem Hintergrund beteiligt war, der Presse als sensationelle Neuigkeit zu verkaufen.
Inzwischen haben die Investoren sich per mail von dieser Veröffentlichung Krauses distanziert.
Das reicht aber nicht – denn wie hier aufgezeigt, bleiben viele Fragen offen.
Ihre
Initiative NoBNQ

