“No BNQ” stellt städtebauliches Gegenkonzept vor “Dauerhaft niedrige Mieten!” fordert Jenny Maruhn im Interview mit taz Hamburg vom 26. November 2009 “Die Wohnungen sollen für immer dem Spekulationsmarkt entzogen werden. Wichtig ist uns auch, dass wir in die Entscheidungsprozesse integriert werden. Ein öffentliches Planungsbüro wäre ein erster Schritt.”
Archive for Dezember 1st, 2009
Keine utopische Spinnerei
Dienstag, Dezember 1st, 2009Gegenentwürfe zum "BNQ" der Investoren
Dienstag, Dezember 1st, 2009No BNQ
Dienstag, Dezember 1st, 2009SUPRA #2: das heiße, neue Magazin aus dem USP St. Pauli Fanumfeld beschäftigt sich gleich in mehreren Beiträgen mit Gentrfizierung und dem RECHT AUF STADT. In einem gründlich recherchierten Artikel über das Bernhard Nocht Quartier und die Initiative dagegen, No BNQ, heißt es: “Bei Köhler & von Bargen handelt es sich um eine 1995 gegründete Immobilienfirma… Als Referenzobjekte des Unternehmens dienen Loftbauten und Luxuswohnungen in Eppendorf, Winterhude, St. Georg und Altona. Der Großteil der von Köhler & von Bargen präsentierten Vorzeigeobjekte sind in Eigentum übergegangen. Bei einem im Sommer fertiggestellten Projekt in der Billrothstrasse liegen die Verkaufspreise zwischen 3.029 Euro und 3.415 Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Kaltmiete der momentan zur Vermietung angebotenen Immobilien aus dem Eigenbestand liegt bei 13,50 Euro. Anhand dieser Zahlen dürfte klar werden, was für ein Objekt in der Bernhard Nocht Straße entstehen wird, sollten die Pläne durchgesetzt werden.” Außerdem in SUPRA “we love centro sociale“, “Häuserkampf 2.0” und ein Interview mit Christoph Schäfer zu Kunst, Politik und Gentrifizierung, Lefebvre und Recht auf Stadt, Zeichnen und Hölderlin, NoBNQ und Park Fiction. SUPRA gibt’s an Orten wie dem St. Pauli Fanladen und man kann das Heft bei Spielen des FC für schlappe, gut investierte 2 Euro 60 kaufen:Reclaim your Viertel! http://www.supra-magazin.net/
Der vollständige Artikel “NOBNQ” als pdf
Der vollständige Artikel “Recht auf Stadt” als pdf
Der vollständige Artikel “Häuserkampf2.0″ als pdf (~1,5mb)
Der Kampf um das Leben in der Stadt Hamburg
Dienstag, Dezember 1st, 2009“Wir wollten nie jemanden rausschmeißen”, sagt Helmut Köhler. Seine Hände malen Kreise auf den Tisch im Besprechungszimmer der Firma. Köhler schaut ein wenig sauertöpfisch. Natürlich will er Geld verdienen, er ist Geschäftsmann. Er ist ehrlich – “natürlich mussten wir auch lernen” -, und man darf ihm auch die Frage stellen, wem die Stadt gehört: den Bürgern oder den Investoren? Nur eine Antwort erhält man nicht. Denn für Köhler schließt das eine das andere nicht aus. Die Ängste der Anwohner kann er verstehen. Sagt er. Und er kennt auch die Initiativen, die gerade überall in Hamburg gegen verschiedene Projekte kämpfen. Dann erzählt er von Baulücken, “die ja auch geschlossen werden müssen”, und dann verbessert er sich: “geschlossen werden können”. Brachflächen, renovierungsbedürftige Häuser, das sind für Investoren eine Projektionsfläche ihrer Ideen. Köhler sagt, dass es eine interessante Idee sei, dass die Stadt ganze Straßenzüge kauft, “denn das wollen die ja auf St. Pauli: dass die Stadt ihnen das schenkt, damit sie selbst gestalten können”. Das kann er nicht verstehen, “dann geht es ja schon um Ideologie”. ” Der ganze Artikel ist sehr lesenswert und erlaubt einen erschreckenden Blick in die Köpfe von Investoren.
Gemeinsam gegen Gentrifizierung
Dienstag, Dezember 1st, 2009erster kritischer Artikel in der alternativen Tageszeitung “taz”:
“Überall in Deutschland protestieren Menschen gegen Gentrifizierung. In Hamburg ist der Protest aus der linksradikalen Ecke herausgewachsen. Das kann auch andernorts so kommen.” schreibt Uwe Rada in der taz vom 21.11.2009. “Auf Sankt Pauli bekam eine Bürgerinitiative gegen ein geplantes schickes Wohnquartier in der Bernhard-Nocht-Straße Zulauf – und “Empire Sankt Pauli”, ein Dokumentarfilm über die Gentrifizierung im Armenhaus der reichsten Stadt Deutschlands, beunruhigt sogar die politisch Verantwortlichen. Was ist los in der Stadt der hanseatischen Zurückhaltung und des Understatement? “Es hat sich in den Jahren verdammt viel aufgestaut”, meint Ingrid Breckner, “das drängt jetzt alles nach außen.” Breckner, Professorin für Stadt- und Regionalplanung an der neuen HafenCity Universität, sieht Hamburg an einem Punkt angekommen, an dem die Stadtentwicklungspolitik neu verhandelt wird. “Es gab die alte Kaufmannstradition, nach der sich die Politik möglichst heraushalten sollte aus Geschäften. Doch nun spüren die Hamburger bis ins betuchte Bürgertum hinein, dass ihnen die Dinge aus den Händen gleiten.” (…)
Am Hein-Köllisch-Platz auf Sankt Pauli ist montags Widerstandstag. Im hübsch renovierten Café der Gemeinwesenarbeit treffen sich die Aktivisten der Initiative “No BNQ” und brüten über neuen Aktionen, die dem Investor des geplanten Wohnquartiers das Leben schwer machen sollen. Der hat sich vor einiger Zeit ein ganzes Karree gegenüber der Hafenstraße unter den Nagel gerissen. Wo heute Migranten, Studierende und Künstler wohnen, soll demnächst das Bernhard-Nocht-Quartier entstehen, ein schickes Stück Sankt Pauli, ganz so wie das Brauereiquartier an der Davidstraße. Für Steffen Jörg, einen der Gründer von “No BNQ”, war das Brauereiquartier der Dammbruch für die Gentrifizierung auf Sankt Pauli. (…) Vor dem Quartier Hafenpanorama, Sankt Paulis teuerstem Wohnort, trifft Jörg eine Gruppe von Kommunalpolitikern aus Tel Aviv. “Der Erfolg, den wir mit unseren Aktivitäten haben”, verrät er den Israelis, “erstaunt uns selbst.” Tatsächlich hat der Investor des Bernhard-Nocht-Quartiers den alteingesessenen Mietern inzwischen versprochen, die Mieten zehn Jahre lang stabil zu halten. Proteste gegen Gentrifizierung gibt es in jeder großen Stadt. (…) Aber nirgendwo ist der Protest so weit aus der linken Nische herausgekommen wie in Hamburg. Selbst die Hamburger Medien schreiben inzwischen über den Begriff Gentrification, der der Bundesanwaltschaft vor geraumer Zeit noch als Hinweis für die Zugehörigkeit zur linksradikalen Szene galt.”
St. Paulianer für Neubauprojekt
Dienstag, Dezember 1st, 2009Bild-Hamburg erfindet Bürgerinitiative:
Eine “Pro-BNQ-Initiative”, bestehend aus 2 Personen, die nicht verstanden haben, worum es der breit verankerten Nachbarschaftsinitiative NoBNQ geht, hat eine auf Stammtischniveau argumentierende “erste Verlautbarung” herausgegeben: der Text der Investorenarchitekturbefürworter vermischt rechtspopulistische Ansichten, alte Vorurteile und verdrehte Fakten sowie einseitige Informationen von interessierter Seite – der der Investoren Köhler & von Bargen – zu einer rechtspopulistischen Melange. Bei einem von Karin Lang in einer Kneipe anberaumten Pro-Bernhard-Nocht-Quartier-Treffen ist kein sympathisierender Bewohner erschienen. Aber zwei Vertreter der Bild-Zeitung. Flux waren Gäste und Personal zu Mitgliedern einer neuen Bewegung umetikettiert. Auch das Abendblatt verbreitet die Mär von der Fake-Initiative.