Also,
bevor hier das letzte alte Haus abgerissen oder marmorsaniert ist,
bevor das letzte Kino geschlossen, der letzte Buchladen rausgeekelt,
die letzte Oma aus ihrer Wohnung ins Heim genötigt
und alle Migrantenfamilien an den Stadtrand vertrieben wurden,
bevor endlich die ganzen kaufschwachen
Studenten nach Wilhelmsburg umgesiedelt sind,
am besten gleich mit der ganzen
gottverdammten Uni, denn aus der
alten kann man bestimmt ein tolles Einkaufsquartier machen – bevor
Sie, werte Leser, also alle nicht mehr im Herzen dieser Stadt wohnen und leben
können und wollen und nur noch Zaungäste sind, damit die Firma Hamburg ihr
Säckel schön voll machen kann, um zum Beispiel die ein oder andere Landesbank
vor der eigenen Dummgier zu retten oder verlustbringend Krankenhäuser zu
privatisieren;
bevor hier also alles aus Geldgeilheit und Gleichmachungswahn
vernichtet ist und kaltgestellt und verödet,
bevor hier überhaupt einfach nichts mehr
ist, was das Leben lebenswert macht,
und alle, die dagegen sind oder im Weg stehen, ihre
Schneidezähne aus Schlagstöcken klauben müssen;
bevor wir also endlich alle zu Tode gefilmt, geregelt, geklagt und verarmt wurden,
und unsere Überreste sich am Stadtrand türmen,
auf dass wir dort die Viertel beleben für H&M in zehn Jahren, für
die ewige Aufwertung und Kapitalisierung;
bevor also nur noch Musicalbesucher,
Messefressen und eigentumsgeile Polizeigewaltbeführworter
durch jene Straßen flanieren, wegen deren
Andersartigkeit und Lebendigkeit wir dereinst nach Hamburg gezogen
sind; bevor es also verdammt noch mal soweit ist, bitten wir inständig
um zivilen Ungehorsam und kluge Reaktion gegen Mauerbauer, Rausklager,
Draufhauer und Ausbeuter. Sonst singen wir bald alle brav im Chor: „Aber hier
leben, nein Danke.“
Und sind raus.