Interessengemeinschaft no-bnq
Das Bernhard-Nocht-Quartier stoppen:
St. Pauli muss bezahlbar bleiben – für alle!
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Die Bernhard-Nocht-Straße und die Erichstraße im Süden St. Paulis sind ein wichtiger Teil der Hamburgischen Geschichte. In unmittelbarer Nähe zur Elbe und zum Hafen entstand hier über mehrere Jahrhunderte ein lebhaftes, buntes und eigenständiges Viertel. Neben zahlreichen Wohnhäusern haben hier immer wieder auch namhafte Kneipen, Bars und Läden ihre Heimat gefunden. So etwa das Sailors Inn, Harrys Hafenbasar oder das Komet.
Am Tresen der Washington Bar wurde einst der große Freddy Quinn entdeckt. Heute lassen es sich Anwohner und Besucher in der Kogge oder in der Kombüse gutgehen. Der Großteil der ansässigen Häuser stammt aus dem 19. Jahrhundert und bietet mit seinen historischen Architekturmerkmalen ein in Hamburg selten gewordenes Stück Stadtbild. Hier im Viertel leben Seeleute, Angestellte, Künstlerinnen und Künstler, Kneipiers, Familien, Studierende, Kinder und Rentnerinnen und Rentner friedlich miteinander.
Akute Gefahr
Diese jahrhundertelang gewachsene Struktur an Gebäuden und Bewohnern ist nun akut gefährdet. Denn Bezirkspolitiker und Investoren (Köhler & von Bargen) wollen hier das sogenannte “BNQ – Bernhard-Nocht- Quartier” bauen. Geplant ist der Abriss historischer Gebäude, an deren Stelle auch neue Eigentumswohnungen in austauschbarer Glas-Optik entstehen sollen. Zudem werden die Hinterhöfe eng und hoch bebaut. Schon im kommenden Herbst soll es losgehen.
Aber nicht nur architektonisch soll das Viertel „aufgewertet“ werden. Bestehende Wohnungen in den betroffenen Straßen werden zunächst luxusmodernisiert und anschließend teurer neuvermietet. Für die gewachsene Nachbarschaft bedeutet dies das Aus. Denn leisten können sich die modernisierten Wohnungen dann nur noch Besserverdienende. Einkommensschwache Bewohnerinnen und Bewohner sind gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. Und die ist auf St. Pauli nicht mehr zu finden. Das hat auch Auswirkungen auf alle umliegenden Straßen. Denn der für unsere Stadt geltende durchschnittliche Mietspiegel wird durch Sanierungen und Neubauten in allen Häusern steigen. Block für Block wird so das ursprüngliche St. Pauli zerstört.
„Ich will so bleiben wie ich bin“
Wir – die Anwohnerinitiative „NO BNQ“ – wollen dieses Projekt stoppen. Wohnungen dürfen keine Ware werden, mit denen Immobilien-Gesellschaften sich bereichern. Deshalb fordern wir ein garantiertes Bleiberecht für alle jetzigen Bewohner und keine Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.
- Sofortige Instandsetzung der Wohnungen und Durchführung der über Jahre verschleppten Reparaturen.
- Keine Mieterhöhungen!
- Sofortige Neuvermietung der leerstehenden Wohnungen.
- Alle Kneipen müssen bleiben – in den Händen der jetzigen Betreiberinnen, zu den bestehenden Konditionen.
- Keine weiteren Luxuswohnungen oder Eigentumswohnungen auf St. Pauli.
- Wir fordern eine kulturelle Nutzung für das ehemalige “Erotic Art Museum” (vom Investor “Speicher” genannt) und für die Freiflächen. Mit AnwohnerInnen, MusikerInnen und KünstlerInnen werden wir Vorstellungen dazu entwickeln.
- Wenn überhaupt gebaut wird, dann fordern wir öffentlich geförderten Sozialwohnungsbau, vorzugsweise öffentlich geförderte Wohnprojekte. Auch dazu werden wir im Viertel unsere eigenen Vorstellungen entwickeln.
- Wir werden selbst entscheiden und gestalten was hier passiert oder gebaut wird – und diese Vorstellungen durchsetzen.
In der Nachbarschaft haben wir in den letzten Jahren mit selbst geplanten und öffentlich geförderten
Projekten beste Erfahrungen gemacht – Wohnprojekte, Hafenstraße oder Park Fiction tragen zur
Vielfalt des Viertels bei, sind innovative Beispiele dafür, wie Lebensqualität für alle geschaffen werden
und eine Stadt nachhaltig interessant bleiben kann. Diese Linie werden wir weiterverfolgen.
A L L E M Ü S S E N B L E I B E N K Ö N N E N !
Weitere Vorstellungen und alternative Pläne wollen wir hier im Viertel gemeinsam mit den Nachbarinnen und Nachbarn entwickeln. Mehr zu uns und unserer Initiative gibt es im Internet unter www.no-bnq.org. Oder bei unseren regelmäßigen Treffen, jeden zweiten Montag. (Infos über Zeit und Ort gibt’s in der Kogge).


